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Lara Rößig erhält den Martin Schüwer-Publikationspreis für herausragende Comicforschung 2026

Der achte Martin Schüwer-Publikationspreis für herausragende Comicforschung wurde am 30. September 2026 während der 21. ComFor-Jahrestagung in Gießen offiziell verliehen; eine offizielle Verkündung der Preisträgerin fand am 1. Oktober 2026 im Kontext der Jahrestagung der GfM in Hamburg statt. In der Jury waren Mario Faust-Scalisi, Laura Glötter, Iris Haist, Frederik von Reumont und die Preisträgerin des Vorjahres: Charlotte J. Fabricius – noch einmal großen Dank für die Sichtung aller Beiträge und natürlich auch an alle, die eingereicht haben!

In diesem Jahr wird der Martin Schüwer-Publikationspreis für herausragende Comicforschung an Lara Rössig, „‚Go West, Young Duck‘—Renegotiating the Myth of the American Frontier in a Scrooge McDuck Comic Book“, veröffentlicht in: Amerikastudien / American Studies 70.2, 2025. Der Artikel ist open access erschienen und hier zugänglich: https://amst.winter-verlag.de/article/AMST/2025/2/7.

Die lobende Erwähnung geht an Emmy Waldman für ihren Beitrag Emmy Waladman, „OXO, Spiegelman: Tic-Tac-Toe and the Art of Losing”, veröffentlicht in: Contemporary Literature, Volume 66, Number 2, Summer 2025, pp. 241-280.

Laudationes:

Laudatio für Lara Rößig

Der Aufsatz von Lara Rößig überzeugt durch eine präzise, theoriegeleitete und zugleich materialnahe Analyse der kulturellen Konstruktion des Mythos des US-amerikanischen Westens. Besonders gelungen ist ihre Darlegung, auf welche Weise dieser Mythos in unterschiedlichen medialen Formen, von Dime Novels über Wild-West-Shows bis zum Hollywoodfilm, zirkuliert und im Comic The Life and Times of Scrooge McDuck produktiv verarbeitet wird. Dabei verbindet sie die Analyse des Comics überzeugend mit einem eigenständig geführten Interview mit Don Rosa und erschließt so die Bedeutung des Werks in einem erweiterten kulturellen und medialen Zusammenhang.

Ein zentraler Vorzug der Arbeit liegt in der sorgfältigen Verschränkung von Bild-, Text- und Übersetzungsanalyse. So macht Rößig etwa an der Verschiebung von „cowboy“ im englischen Original zu „Rinderbaron“ in der deutschen Übersetzung sichtbar, wie unterschiedlich der Cowboy-Mythos in den jeweiligen kulturellen Kontexten gerahmt wird und dass Übersetzung hier nicht bloß Übertragung, sondern selbst ein Ort kultureller Bedeutungsverschiebung ist. Auch die Analyse von Landschaftsdarstellungen, Wetterstimmungen, filmischen Zitaten, etwa der Anspielung auf High Noon in der Konfrontationsszene von Johannesburg, und nachgestellten Motiven arbeitet Rößig mit großer Genauigkeit heraus und macht so nachvollziehbar, wie diese Elemente zur Konstruktion einer spezifischen West-Erzählung beitragen.

Überzeugend ist zudem der reflektierte Umgang mit dem Begriff des Mythos: Im Rückgriff auf Segal, Blumenberg, Mason und Slotkin nutzt Rößig ihn nicht als bloßes Schlagwort, sondern als analytisches Instrument, um die Verknüpfung von Landschaft, Erzählung, Wertordnungen und kultureller Imagination zu untersuchen. Dadurch zeigt der Aufsatz sehr anschaulich, wie Comics Landschaften nicht nur darstellen, sondern mit Normen, Vorstellungen und historischen Zuschreibungen aufladen können. Gerade in dieser Verbindung von Mythos, Nostalgie und medialer Vermittlung liegt die besondere Stärke der Arbeit.

Darüber hinaus ist hervorzuheben, dass der Aufsatz eine klare Position gegenüber einem stark kanonisierten und vielbeachteten Werk der Comicgeschichte einnimmt, ohne in Verehrung oder pauschale Kritik zu verfallen. Die Einbindung von Don Rosas eigenen Aussagen erfolgt dabei nicht illustrativ, sondern als integraler Bestandteil einer differenzierten Argumentation. Dabei benennt Rößig auch unmissverständlich, dass die nostalgische Wiederbelebung des Westens die Affirmation siedlerkolonialer Ideologien einschließt und damit eine Spannung zwischen Faszination und Kritik erzeugt, die der Aufsatz produktiv offenhält.

Insgesamt handelt es sich um eine argumentativ dichte und methodisch reflektierte Studie, die durch ihre Genauigkeit, ihre Medienkompetenz und ihre interpretatorische Klarheit hervorsticht. Sie zeigt in bemerkenswerter Weise, wie Comics als komplexe kulturelle Artefakte gelesen werden können, in denen sich Mythos, Bild, Text und Übersetzung wechselseitig durchdringen.

English Version:

The essay by Lara Rößig is distinguished by a precise, theoretically grounded, and at the same time materially attentive analysis of the cultural construction of the myth of the American West. Particularly compelling is her account of how this myth circulates across different media forms – from dime novels and Wild West shows to Hollywood films – and is productively reworked in the comic The Life and Times of Scrooge McDuck. In doing so, she convincingly combines her analysis of the comic with an interview she conducted herself with Don Rosa, thereby opening up the work’s significance within a broader cultural and medial context.

A central strength of the study lies in its careful interweaving of visual, textual, and translational analysis. Rößig demonstrates, for instance, through the shift from “cowboy” in the English original to “Rinderbaron” in the German translation, how differently the cowboy myth is framed in each cultural context, and how translation here is not merely transfer but itself a site of cultural transformation. Her analysis of landscape representations, weather atmospheres, cinematic quotations, such as the reference to High Noon in the confrontation scene in Johannesburg, and reconstructed motifs is carried out with great precision, making it clear how these elements contribute to the construction of a specific narrative of the West.

Equally convincing is her reflective use of the concept of myth. Drawing on Segal, Blumenberg, Mason, and Slotkin, Rößig employs the term not as a mere buzzword but as an analytical tool to examine the interrelation of landscape, narrative, systems of value, and cultural imagination. In doing so, the essay demonstrates vividly how comics do not simply depict landscapes but imbue them with norms, ideas, and historical attributions. It is precisely in this interplay of myth, nostalgia, and medial mediation that the study’s particular strength lies.

It is also noteworthy that the essay adopts a clear position toward a highly canonized and widely discussed work in comic history without lapsing into either reverence or blanket criticism. The integration of Don Rosa’s own statements is not merely illustrative but forms an integral part of a nuanced argument. At the same time, Rößig explicitly addresses how the nostalgic revival of the West entails an affirmation of settler-colonial ideologies, thereby generating a tension between fascination and critique that the essay productively sustains.

Overall, this is an argumentatively dense and methodologically reflective study that stands out for its precision, its media literacy, and its interpretative clarity. It demonstrates in a remarkable way how comics can be read as complex cultural artifacts in which myth, image, text, and translation intersect and mutually inform one another.

Lobende Erwähnung / Honorable Mention:

Laudatio for Emmy Waldman

Emmy Waldman wrote with „OXO, Spiegelman: Tic-Tac-Toe and the Art of Losing“ a highly innovative and interdisciplinary article. It is a very complex and dense approach starting with a one-pager from Art Spiegelman and giving insights into the author’s life, the author’s artistic approach, the cultural meanings of Tic-Tac-Toe, to name only some, leading to psychoanalytical and philosophical arguments about losing finally. This approach and the article are not only highly innovative but stand for the author’s expertise and interdisciplinary mastery, coming from comic studies to open to multiple further directions and disciplinary approaches. Particularly noteworthy is the author’s methodological approach of using a sketchbook motif as the starting point for the development of a solid, interdisciplinary theory.

Deutsche Version:

Emmy Waldman hat mit „OXO, Spiegelman: Tic-Tac-Toe and the Art of Losing“ einen äußerst innovativen und interdisziplinären Artikel verfasst. Es handelt sich um einen sehr komplexen und dichten Ansatz, der mit einer einseitigen Zeichnung von Art Spiegelman beginnt und Einblicke in das Leben des Autors, dessen künstlerischen Ansatz sowie die kulturellen Bedeutungen von Tic-Tac-Toe gewährt, um nur einige zu nennen, und schließlich zu psychoanalytischen und philosophischen Überlegungen zum Thema „Verlieren“ führt. Dieser Ansatz und der Artikel sind nicht nur äußerst innovativ, sondern zeugen auch von der Fachkompetenz und der interdisziplinären Meisterschaft der Autorin, der von der Comicforschung ausgehend sich vielfältigen weiteren Richtungen und disziplinären Ansätzen öffnet. Besonders hervorzuheben ist der methodische Ansatz des Autors, ein Skizzenbuchmotiv als Ausgangspunkt für die Entwicklung einer fundierten, interdisziplinären Theorie zu nutzen.

Jury of the Martin Schüwer Publication Prize 2026
Mario Faust-Scalisi
Laura Glötter
Iris Haist
Frederik von Reumont
Charlotte Johanne Fabricius

Impressionen von der Preisverleihung am 30.09.2026:

Compose each slide from any blocks.

Sediment off the Yucatan Peninsula

Mix images, text, buttons and more.

Mont Blanc

Each group becomes one slide.