Interdisziplinäre Zugänge der Animations- und Comicforschung (GfM 2017)

Workshop im Rahmen der Jahrestagung der Gesellschaft für Medienwissenschaft 2017
Thema: „Zugänge“, 04.10.-07.10. 2017, FAU Erlangen-Nürnberg

Donnerstag, 05.10.2017 | 16:30 – 18:30 | Ort: PSG 015

Animation und Comic verbindet eine langjährige sowie anhaltende Beziehung der wechselseitigen Adaption und Inspiration. So sind beide Medien nicht nur durch ihre historische Korrelation miteinander verbunden. Auch ihre Materialität, Ästhetik sowie Medialität lassen zahlreiche Parallelen und Schnittstellen erkennen. Doch wie gehen Animations- und Comicforscher_innen aus unterschiedlichen Disziplinen mit ihren jeweiligen Untersuchungsgegenständen um? Welche analytischen Zugänge stehen ihnen zur Verfügung und wie lassen sich die Medien Comic und Animation mit ihnen betrachten?

Der gemeinsam von der AG Animation und AG Comicforschung ausgerichtete Workshop möchte diesen Fragen nachgehen und damit die interdisziplinäre Vernetzung und Kooperation beider Forschungsfelder ausbauen und festigen. Im Rahmen von sechs kurzen Impulsvorträgen sollen verschiedene analytische Zugänge zu Animation und Comics aus primär nicht-medienwissenschaftlichen Disziplinen vorgestellt und gemeinsam mit dem Plenum anhand von konkreten Beispielen diskutiert werden. Im Zentrum des Workshops steht damit sowohl der gemeinsame, interdisziplinäre Austausch als auch die zentrale Frage, welchen Erkenntnisgewinn der Rückgriff auf benachbarte Ansätze der Kunstgeschichte, der Tanz- und Musikwissenschaft, der Digital Humanities, der Gewaltforschung oder der Disability Studies ermöglicht und wie sich diese analytischen Zugänge in traditionelle Paradigmen medienwissenschaftlicher Forschung integrieren bzw. mit ihnen kombinieren lassen.

Moderation: Lukas R. A. Wilde (Tübingen)

Referent_innen:

Oliver Moisich (Paderborn): Comics und Digital Humanities
Jörn Ahrens (Gießen): Comics und Gewaltforschung
Véronique Sina (Tübingen): Comics und Disability Studies
Franziska Bork Petersen (Kopenhagen): Animation und Tanz‐/Theaterwissenschaft
Anja Ellenberger (Hamburg): Animation und Kunstgeschichte
Daniele Martella (Tübingen): Animation und Musikwissenschaft

DIE BEITRÄGE VON JÖRN AHRENS UND ANJA ELLENBERGER MUSSTEN LEIDER ENTFALLEN!

https://www.conftool.pro/gfm2017/index.php?page=browseSessions&form_session=163#paperID161

Zu- und Übergänge des Comics (GfM 2017)

AG-Panel auf der Jahrestagung der Gesellschaft für Medienwissenschaft 2017
Thema: „Zugänge“, 04.10.-07.10. 2017, FAU Erlangen-Nürnberg

Mittwoch, 04.10.2017 | 15:00 – 16:30 | Ort: Großer Hörsaal

Die mehrfache Adressierung, alternative Situierung und multimodale Zugänglichkeit des Comics hat sich immer wieder für die besondere Behandlung von Transversalität angeboten: Kulturelle, sprachliche und mediale Grenzen werden dann einerseits ebenso deutlich inszeniert wie andererseits kompensierend vermittelt. Das verzerrte Bild einer fremden Kultur wird zum Beispiel im Cartoon in seiner ganzen Verfremdung und vor dem Horizont seiner Subjektivität ausgestellt; zugleich aber wird etwa zur fremden Schriftsprache in einer Sprechblase durch die beigegebene Bildsequenz ein alternativer Zugang geboten.

Dazu tragen die mehrfachen Publika des Comics bei, der populär orientiert aber in Selbst- und Fremdzuschreibungen kulturell marginal verfährt und schon deshalb stets mit mehreren divergierenden Rezeptionen rechnet. Nicht weniger hat die transmediale Übersetzung aus traditionellen und in weitere moderne Formen an Übergängen und Vermittlungsleistungen Anteil; ebenso die transmediale Verknüpfung des Comics mit seiner regen Begleitkommunikation in Fankreisen, zumal in digitalen Archiven und Foren.

Das Panel der AG Comicforschung wird diesen multiplen Zugängen des Comics in ihrer Funktionalisierung für verschiedene inhaltliche und formale Übergänge anhand dreier vertiefender Lektüren nachgehen: zum Einsatz comicspezifischer Verfahren in der transkulturellen Vermittlung von Satrapis Persepolis; zur divergierenden impliziten und expliziten Rezeption jahrzehntealter populärer Serien mit ihrem Überschuss an potenzieller populärer Erinnerung; und zur kinematographischen Überführung von Comics in neue Formen, deren Reflexion zugleich einen besonderen Zugang zum veränderten Status der Kunstform in unserer Gegenwart bietet.

Moderation: Véronique Sina (Tübingen)


Maxim Nopper (Freiburg)

„Persepolis – Eine Geschichte von Übergängen: Transversalität und Liminalität“

Marjane Satrapis autobiografische Graphic Novel Persepolis handelt von Übergängen: vom Erwachsenwerden, von Migration, von Revolution und von Krieg. Persepolis spielt dabei gekonnt mit dem Entwerfen und Verwerfen von Identitätsentwürfen. Dichotome „schwarz-weiß“ Konstruktionen lösen sich regelmäßig in bunte Farbpaletten der Einzelschicksale auf. Auch das Werk selbst hat eine transnationale Geschichte: es erzählt vom Aufwachsen im postrevolutionären Iran, vom Krieg mit dem Irak und von der Auswanderung nach Österreichh – wurde aber aus der Perspektive einer in Frankreich lebenden Autorin geschrieben und richtet sich an ein breites mitteleuropäisches Publikum.

Anhand einer detaillierten Comicanalyse soll aufgezeigt werden, wie Satrapi ihr Spiel mit Identität durchführt und welche Rolle der transnationale Hintergrund für den Comic spielt. Dabei soll Persepolis in Verbindung gebracht werden mit Konzepten der Transidentität, Transnationalität und Liminalität. Somit soll geklärt werden, wie verschiedene Zugänge zu dem ungewöhnlichen Thema und zu den komplexen Strukturen geschaffen werden, oder genauer: wie Satrapi es schafft durch die Kombination der Erzählweisen von Comics und den autobiografischen sowie politischen Themen ein Publikum anzusprechen, das weit über Comicfans hinaus geht.


Stephan Packard (Freiburg/Köln)

„‚Das Panel war nicht für mich bestimmt.‘ Mehrfachadressierungen im populären Comic“

Populäre amerikanische Comics sind häufig mehrfach adressiert, insofern sie sich an Publika mit unterschiedlichen Vorkenntnissen richten.

Dazu zählen etwa Mainstream-Comics in dichten und rhizomatisch verstreuten Storyworlds, die extensiv Plotstränge, Charaktere, Ereignisse und Themen aus etlichen Jahrzehnten und verschiedenen Medien aufnehmen, aber dennoch für neue Leserinnen und Leser zugänglich sein wollen; Mehrfachcodierungen, bei denen etwa in der multimodalen Verdichtung chinesische Schriftzeichen oder Gesten der Gebärdensprache nur einigen unter vielen Leserinnen und Lesern zugänglich sein werden, obwohl auch den anderen die Lektüre gelingt; und Easter Eggs, die sich von vornherein als zufällige Entdeckungen anbieten, die bei der Lektüre auch ausbleiben können.

Anhand einiger einschlägiger Beispiele wird dieser Beitrag den kommunikativen Voraussetzungen und den Zielen dieser Verfahren nachgehen. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Zusammenspiel dieser Verfahren mit der besonderen Ästhetik verschränkter Sichtbarkeit und Sagbarkeit im Comic und der Begleitung der Produktion und Lektüre mit umfangreicher begleitender Kommunikation in digitalen Netzen.


Peter Vignold (Bochum)

„Aufbruch ins Silver Age – Das Marvel Cinematic Universe als Zugang zum Wandel in der Produktionspraxis zeitgenössischer Comicfilme“

Mit dem transmedial organisierten Marvel Cinematic Universe hat der um Superheld_innen zentrierte Comicfilm die Schwelle von episodischer Geschlossenheit hin zu offeneren Formen der Serialität, die sich an den Produktionsmodi von Comicheftserien während des sogenannten Silver Age of Comic Books orientieren, vollständig überschritten. Mit ihrer für Eventblockbuster vergleichsweise exzessiven Serialität haben die Filme der Marvel Studios nicht nur den Zugang zu einem neuen Produktionsmodus von serialisierten Comicfilmen eröffnet, sondern auch über die Grenzen des Comicfilms hinaus in den Köpfen der Film- und TV-Schaffenden das Phantasma der unbedingten Bankability von hyperseriell strukturierten Cinematic Universes installiert. Dieses und weitere Signale können als indikativ für den Übergang in ein „silbernes Zeitalters des Comicfilms“ betrachtet werden, das hier zur Diskussion gestellt und auf seine Bedeutung für die Verschränkung von Serialität, Medialität und Ökonomie im zeitgenössischen transmedia franchising hin befragt werden soll.

https://www.conftool.pro/gfm2017/index.php?page=browseSessions&form_session=5#paperID145

Cartoon Bodies and Graphic Sensuality (NECS 2017)

AG-Panel auf der NECS Conference 2017 “SENSIBILITY AND THE SENSES. Media, Bodies, Practices” (28.06.-01.07.2017), Université Sorbonne Nouvelle – Paris 3

The problematic and free representation of bodies is at the core of comics’ aesthetics. The drawn and redrawn, figured and disfigured shape of the protagonist serves at once as the focal point of the subjective gaze, where the divided readers’ gaze re-enters the surface of the page as well as the depicted space of the storyworld, and as the fulcrum of issues of ethnic, racial, abled and disabled, fantastic and physiognomic representation. The unreality of these bodies is both the contact to and the departure from the comical element that names the art form. In the freedom of the pen tracing these bodies that forces a deliberate decision for every contour, the comics diverge from the photographic disposition of cinema: This has defined the potential and the specificity of their constant reflective, parodistic, and critical position vis à vis the dominant imagery of their times’ popular media.

This panel combines four approaches to re-examine this idiosyncratic graphic sensuality: Ranging from the ambiguously emancipatory and racist traditions of physiognomically deformed bodies in the early 20th century, through their redrawing in the genre-defining art of underground comix and the political implications of their mutual naturalization and denaturalization in mainstream comics, to the yet innovative re-distribution of depicted and elicited agency in digital comics, these contributions are posed to focus the discussion of this aesthetic ambivalence and promise through four concrete analyses.

Chair: Erwin Feyersinger (Tübingen)

Interfacing (Digital) Comics: The Distribution and Negotiation of Agency and Control

Lukas R.A. Wilde (Tübingen)

The debates about what material, semiotic or cultural aspects might be sufficient to qualify a given medial configuration as a ‘comic’ have proven difficult if not impossible to resolve (Wilde 2015). Taking the digitalization of comics as a starting point (‘digital native’ webcomics as well as comics-distribution via platforms and reading technologies such as ComiXology), my talk discusses the relevance of corporeal and bodily aspects of comics’ mediality. On the one hand, comics have been considered ‘the medium most resilient to digitalization’ (Gardner 2014, 207), maybe because they maintain the appearance of something hand-made: ‘even as digitized production techniques have become widely available, many comics still take their shape and form through the visible slant of the creator’s hand’ (Stein 2015, 425; Gardner 2011; Mitchell 2014, 260).

On the other hand, a special relation to the recipient’s agency seems necessary to distinguish digital comics from animated films or browser games (Dittmar 2012; Smith 2015). Comics are control: ‘In reading, the reader controls the rate at which information is absorbed … this is what separates comics from film’ (Goodbrey 2013, 195). My talk aims to relate these questions to the media theoretical concept of the ‘interface’. In ‘digital only’-works such as Guardians of the Galaxy (Bendis/Oeming 2013), The Empty Kingdom (Goodbrey 2014) or To Be Continued (Ghetti/Trimarchi 2014), the design of changing user interfaces is essential to the narrative experience. Understood not so much as a technology, however, but rather as a relation to and between media, materiality or technology (Hookway 2014; Hadler/Haupt 2016), the ‘interface’ points to the distribution of agency, maybe even to the production of a special kind of subjectivity. It is thus possible to ask in how far the distribution and negotiation of corporal control and agency between producers and recipients (Nichols 2015) is central to our understanding of comics’ mediality in general.

Seeing fragmented Bodies – Towards an inherent political quality of comic books

Markus Engelns (Duisburg-Essen)

Grant Morrison’s and Frank Quitely’s three issue comic book WE3 tells the story of a dog, a cat and a rabbit who have been turned into heavily armed and deadly cyborgs by scientists and who make their violent escape from a secret military laboratory. On the surface, the narration seems to focus on a simple plot about returning these animals to their ‘normal’ state in nature. But a closer examination reveals that the comic deals with the unfulfillable desire for a nature purified from cultural influences. In his widely-read essay Nous n’avons jamais été modernes [We have never been modern] (1991), Bruno Latour argues that the main problem of modernity is the hidden amalgamation of political and scientific representation while simultaneously separating them in public. A close reading of WE3 emphasises comic books as a perfect media structure for construing and undermining this constitution of modernity. In particular, this talk will expose three inherent practices of purification and hybridization between the two chambers of nature and culture: First, single panels separate elements of space, of narration and, moreover, the two chambers. Second, the bodies of the protagonists act in these separated panels ‒ so it is possible to overwrite them with different natural or cultural meanings, even though they are integrated in one character. Therefore, the body is the pivotal element of purification and hybridization. Third, Morrison and Quitely install the process of seeing as a device, which fragments and hides the shown bodies and their surroundings ‒ so there is no possibility to show an unfiltered and objective truth. My talk will describe these practices as an inherent way for comics to create a certain tension between purification and hybridization as well as a desire to see the whole (truth, story, room, system, etc.) and the desire to organize these overwhelming and complex arrangements.

‘Striking Our Time in Its Face’: The Implausibly Denied Aggression of Caricature in Cartoons Focused Through Karl Kraus’ Battles with the Genre

Stephan Packard (Freiburg/Köln)

The political and racist tradition of deformed, ‘simplified and amplified’ (McCloud 1994; Packard 2008) physiognomies in cartoonish drawings and animation is at once strongly laden with an inimical gaze upon the depicted corporeality, and yet may deny that heritage in genres such as the silly cartoon, the funny illustration, and the serious comic narrative (Gray 2004; Frahm 2010). The aggression that political caricature has routinely employed since the 19th century appears deferred in styles that repeat these deformations as a matter of course rather than as material content. Hence, the tension implied in the very ascription of the non-comical comic book can either reveal or ideologically displace a consciousness of the aggressive recognition that lies at caricature’s heart and is seemingly turned into a generalized semiotic code in the cartoon.

Karl Kraus exposed the ambivalence of this disposition in the guileful affected innocence with which he criticized caricatures of and against his own countenance for objectively differing from photographic depictions of his face, which can only be fully understood in the course of a broader re-evaluation of the treatment of pictorial body depictions in Kraus’ journal Die Fackel. This talk will take its cue from Kraus’ polemic engagement with these drawings’ thinly veiled antisemitism and their unadmitted political leanings. Tracing the continuity of such polemics through the fundamental mésentente of a modern aesthetic regime coupling politics and art (Rancière 1995), it will re-examine the treatment of the cartoon in comics’ and caricatures’ aesthetics through several problematic instances and ask what additional analytical instruments might be gained from a perspective that takes this embattlement seriously.

DER BEITRAG VON STEPHAN PACKARD MUSSTE LEIDER ENTFALLEN!

If only I’d had a nose job’ – Representations of the Gendered Jewish Body in the Works of Aline Kominsky Crumb

Véronique Sina (Tübingen)

Paying particular attention to the aspect of gender, my talk explores the relationship between media, bodies and the construction of cultural identity in the comics of Jewish-American underground cartoonist Aline Kominsky Crumb. In her comic Nose Job (1989), Kominsky Crumb describes how she grew up on Long Island in the early 1960s ‘with cosmetic surgery all around’ her and asks herself how it comes that ‘boys get to keep their noses’ while imagining how she may have looked if only she had had a nose job like most of her female teenage peers. In doing so, the cartoonist does not only point out how the ‘Jewish nose’ is stereotypically perceived and believed to be a defining (bodily) feature as well as a marker of Jewish identity. She also addresses the central role of the body for the representation and cultural construction of Jewish women, showing that ‘the Jewish body is always inevitably a gendered body’ (Oksman 2010, 213).

Drawing on Nose Job as well as on other examples of Kominsky Crumb’s graphic work (some of which she produced with her husband Robert Crumb), the paper will discuss how the cartoonist uses the media of comics and its specific modes of (visual) representation to reflect, irritate and undermine bodily gendered codes of Jewish identity. Moreover, the paper will also deal with representations of the cartoon body in respect to questions of morality and taste as the taboo-breaking work of Kominsky Crumb has often been referred to as sexist, pornographic, provocative, primitive, uncivilized and self-loathing (Chute 2010; Clementi 2013; Oksman 2016).

Tagungsberichte zum 3. Workshop der AG Comicforschung

Für das Online-Magazin der Gesellschaft für Comicforschung hat Julia Ingold einen ausführlichen Bericht zum AG-Workshop „Formen der Selbstreflexivität im Medium Comic“ verfasst, welcher vom 2.-3. März 2017 an der Universität zu Köln sttatgefunden hat.

Der Bericht ist online unter folgendem Link abrufbar:
http://www.comicgesellschaft.de/2017/04/03/tagungsbericht-zum-3-workshop-der-ag-comicforschung/

Bei Comics Forum ist zudem ein von Laura Schlichting und Markus Streb verfasster englischsprachiger Bericht erschienen.

Der Workshop-Bericht ist unter folgendem Link einsehbar:
https://comicsforum.org/2017/04/14/workshop-report-formen-der-selbstreflexivitat-im-medium-comic/

Programm: Formen der Selbstreflexivität im Medium Comic (2. und 3. März 2017, Köln)

header_ware3_1920x1080

Dritter Workshop der AG Comicforschung der Gesellschaft für Medienwissenschaft (GfM)

Universität zu Köln, 2. und 3. März 2017, Raum: S 78, Philosophikum (Gebäude 103),  Universitätsstraße 4, 50923 Köln

Auf dem Prinzip der Differenz und Wiederholung, der Redundanz und Variation basierend, ist die (serielle) Ästhetik des Comics durch eine grundlegende performative sowie selbstreflexive Struktur gekennzeichnet. Dieses strukturelle Charakteristikum wird bereits beim frühen Zeitungscomic immer wieder für Pointen genutzt und findet sich in allen Comicproduktionen – unabhängig von Genre, Zielpublikum oder anderweitiger Zuordnungen und Kategorisierungen – wieder. Dabei sind verschiedene Modi der Selbstreflexivität in ihrer spezifischen Ausprägung auch aus anderen Medien bzw. Künsten bekannt, etwa Malerei, Film, Theater und Literatur, deren wissenschaftliche Erschließung Instrumentarien für die Auseinandersetzung mit Techniken der Selbstthematisierung im Comic liefern können. Die gezielte Thematisierung und Wiederholung/Wiederaufführung des Mediums kann unterschiedliche Formen annehmen, wie etwa die Reflexion des künstlerischen Herstellungsprozesses oder die Selbstdarstellung der Comickünstler*innen im eigenen Werk.

Die immanente Selbstbezüglichkeit des Comics zeichnet sich aber ebenso durch ein Spiel mit den Möglichkeiten der eigenen Darstellungsmittel aus, welches nicht nur das Aufzeigen, sondern auch das Aufbrechen und Erweitern medialer Konventionen mit sich bringt. So vielfältig die Erscheinungsweisen der Selbstreflexivität im Comic sind, so divers sind auch deren interpretatorische Zusammenhänge. Selbstreflexiven Comics wird einerseits in werkinterner Perspektive eine besondere Wert- und Kunsthaftigkeit zugeschrieben, weil sie ihre Künstlichkeit ausstellen und den Wissenshorizont der Produzent*innen über Geschichte und Gestaltungsbedingungen des Mediums ausstellen. Andererseits kommt derartigen Comicproduktionen in ideologiekritisch-werkexterner Perspektive Aussagewert über die mediale Konstruktion von Wirklichkeit zu. Neben diesen Kontrapunkten sind weitere Interpretationsmodelle denkbar und im Rahmen des Workshops zu diskutieren.

ANMELDUNG 

Aufgrund begrenzter Raumkapazitäten ist die Teilnahme am Workshop ausschließlich nach vorheriger Anmeldung möglich. Diese ist bis zum 17. Februar 2017 per E-Mail an agworkshop2017 [at] gmail.com zu richten.

ORGANISATION

Nina Heindl (Universität zu Köln, Kunsthistorisches Institut)
Véronique Sina (Ruhr-Universität Bochum, Institut für Medienwissenschaft)

PROGRAMM

PROGRAMMFLYER als PDF

DONNERSTAG, 02.03.2017         

11.30 Uhr | Begrüßung
Nina Heindl und Véronique Sina

11.45 Uhr | Themenschwerpunkt 1: Ästhetische Selbstreflexivität
Chair: Hans-Joachim Backe (Kopenhagen)

Astrid Acker
(Köln)
„The Frame is not the Limit“ – panels, frames und Selbstbezüglichkeit im Comic
Abstract als PDF herunterladen

Bernhard Frena (Wien)
Von Reflexivität zu Diffraktivität. Das Panel als Ort medialer Verschränkungen
Abstract als PDF herunterladen

Sebastian Bartosch (Hamburg)
Die Farbe der Reflexivität im Comic
Abstract als PDF herunterladen

Stephan Packard (Freiburg)
37-mal die Welt gerettet: Wiederholung und Variation als Selbstreferenz und Reflex in Tom Kings Superheldencomics
Abstract als PDF herunterladen

13.45 Uhr | Kaffeepause


14.15 Uhr | Themenschwerpunkt 2: Selbstkritische (Fan-)Diskurse
Chair: Jaqueline Berndt (Stockholm)

Vanessa Ossa
(Tübingen)
Selbstreflexivität und Fankultur
Abstract als PDF herunterladen

Diego Alegría (Bochum)
Selbstdarstellungen im peruanischen Fanzine-Manga: Genrediskurse unter postkolonialen Bedingungen
Abstract als PDF herunterladen

Emelyn Yábar (Bochum)
Cosplay and the media loop: media and body as mutual supplements
Abstract als PDF herunterladen

Lisa Kottas/Martin Schwarzenbacher (Wien)
„Mumbo-Jumbo will hoo-doo you“. Zur „Voodoo“-Ästhetik und immanenten (Selbst-/Macht-)Kritik der Repräsentation in der Graphic Novel The Hole: Consumer Culture
Abstract als PDF herunterladen

16.15 Uhr | Kaffeepause


16.30 Uhr | Treffen der AG Comicforschung und Diskussion „Für gute Arbeit in der Wissenschaft“
Moderation: Stephan Packard (Freiburg) und Véronique Sina (Bochum)

18.30 Uhr | Abendvortrag

Ole Frahm (Frankfurt)
Elemente der Selbstreflexion
Abstract als PDF herunterladen

Moderation: Véronique Sina (Bochum)

Danach „Get Together“ im Foyer der Abteilung Allgemeine Kunstgeschichte des Kunsthistorischen Instituts der UzK


FREITAG, 03.03.2017

9.30 Uhr | Themenschwerpunkt 3: Mechanismen der Selbstbezüglichkeit
Chair: Stephan Packard (Freiburg)

Anna Beckmann
(Berlin)
„Glaub mir nicht, ich bin ein Comic“ – Selbstreflexivität im Comic als Markierung für narrative Unzuverlässigkeit
Abstract als PDF herunterladen

Sebastian R. Richter (Kassel)
Richard McGuires Here als Reflexion medienimmanenter Zeitlichkeit
Abstract als PDF herunterladen

Björn Hochschild (Berlin)
Selbstreflexionen und Reflexionen des Selbst in Riad Sattoufs Der ARABER von morgen
Abstract als PDF herunterladen

Nina Schmidt (Berlin)
Self-reflexive uses of photography in graphic narratives relating dying and bereavement
Abstract als PDF herunterladen

11.30 Uhr | Kaffeepause


11.45 Uhr | Themenschwerpunkt 4: Faktische und fiktionale (Selbst-)Inszenierungen
Chair: Nina Heindl (Köln) und Véronique Sina (Bochum)

Johannes C. P. Schmid
(Hamburg)
Selbstreflexivität dokumentarischer Comics. Strategie und Voraussetzung
Abstract als PDF herunterladen

Axel Rüth (Köln)
Selbstreflexivität durch den Gebrauch von Photographien im Comic
Abstract als PDF herunterladen

Ranthild Salzer (Wien)
Wenn das ein Marvel Comic wäre: Selbstreflexion in den Comics Palestine und Footnotes in Gaza von Joe Sacco
Abstract als PDF herunterladen

Sándor Trippó (Debrecen)
Kitty Kahanes selbstreflexive Erzählweisen
Abstract als PDF herunterladen

13.45 Uhr | Mittagspause


15.00 Uhr | Themenschwerpunkt 5: Metareflexionen
Chair: Ole Frahm (Frankfurt)

Tim Glaser
(Braunschweig)
„Oh no – this comic is literally me“. Webcomics im Zeitalter ihrer memetischen Rezeption
Abstract als PDF herunterladen

Jasmin Böschen (Hamburg)
Forschung mit Bildern über Bilder. Unflattening als Beispiel für eine wissenschaftliche Praxis in und durch Comic
Abstract als PDF herunterladen

Katharina Serles (Dresden)
BILDER SEHEN ERZÄHLEN. Kunstbetrachtung im Comic
Abstract als PDF herunterladen

Dietrich Grünewald (Koblenz)
Comics im (Eigen-)Spiegel. U.a. aufgezeigt am Projekt „Das partizipative Geflecht“
Abstract als PDF herunterladen

17.00 Uhr | Verabschiedung/Ausklang

 


Formen der Selbstreflexivität im Medium Comic
Dritter Workshop der AG Comicforschung (GfM)
2. und 3. März 2017

Universität zu Köln, Raum S 78, Philosophikum (Gebäude 103),
Universitätsstraße 4, 50923 Köln

CfP: Formen der Selbstreflexivität im Medium Comic (2./3. März 2017, Köln)

 

Der dritte Workshop der AG Comicforschung der Gesellschaft für Medienwissenschaft (GfM) steht unter dem Thema „Formen der Selbstreflexivität im Medium Comic“ und wird vom 2. bis 3. März 2017 an der Universität zu Köln stattfinden.

Weiterlesen CfP: Formen der Selbstreflexivität im Medium Comic (2./3. März 2017, Köln)