Programm: Mediality and Materiality of Contemporary Comics (2015)

2WS

Room 027 | Neuphilologicum (Brecht-Bau), Wilhelmstrasse 50, 72074 Tübingen

Der 2. Workshops der AG-Comicforschung der Gesellschaft für Medienwissenschaft (GfM) wird am 24.-26. April 2015 an der Graduiertenakademie der Universität Tübingen ausgetragen werden. Unter dem Thema „Mediality and Materiality of Contemporary Comics“ diskutieren insgesamt 15 Beitragende eine große Bandbreite an Phänomenen, die das Verhältnis von Materialität und Medialität unter den Bedingungen von Medienkonvergenz und Digitalisierung ausloten.

Weiterlesen Programm: Mediality and Materiality of Contemporary Comics (2015)

Utopien des Comics (2015)

AG-Panel auf der Jahrestagung der Gesellschaft für Medienwissenschaft 2015
Thema: „Utopien. Wege aus der Gegenwart“, 30.09.-03.10. 2015, Universität Bayreuth

gfmjahrestagung2015

Zwar sind Zukunftsvorstellungen im Plot vieler zeitgenössischer Comics – wie auch in Literatur, Film, und im Computerspiel – primär dystopisch, d.h. von einer Kritik gegenwärtiger Missstände und von sozialen, ökologischen und technologischen Risiken bestimmt. Dem stehen andererseits bereits in der Anlage der Genres im Mainstream des Comics zukunfts- und fortschrittsgläubige, technikbejahende Entwürfe gegenüber. Das Ende des menschlichen Zeitalters – um Fredric Jameson (2005) und Slavoj Žižek (2011) umzuformulieren – erscheint heute allerdings leichter vorstellbar als das Ende des Kapitalismus. Jedoch bedeutet dies keineswegs, dass, wie vielfach konstatiert wird, die Utopie tot ist, ganz im Gegenteil. Jameson und Žižek selbst sind die besten Beispiele dafür.

Das Panel der AG Comicforschung wendet sich dem utopischen Denken im zeitgenössischen Comic zu, wo Spannungen in der Tradition fiktionaler Zukunftsentwürfe zwischen Antizipation, Aspiration und Fantastik produktive Verwerfungen entstehen lassen. Dabei nutzt der Comic schon im Medium angelegte erzählerische Leerräume und die dadurch entstehenden Instabilitäten, Irritationen und Brüche, um ambivalente utopische Fragmente innerhalb dystopischer oder postapokalyptischer Welten aufzuwerfen. Gerade durch die Fortsetzung und Neuperspektivierung seiner traditionell utopischen Stoffe und Topoi gewinnt der Comicredifferenzierende Spielräume, in denen sich die vermeintliche Unausweichlichkeit einer Utopie und die oft nur scheinbare Freiheit ihrer Vorstellung neu gegeneinander ausspielen lassen.

Fragen ergeben sich insbesondere aus medium-spezifischen Zeit/Raumdarstellungen, posthumaner Körperlichkeit, utopisch/dystopischen Gesellschaftsformen im Comic, der Unzuverlässigkeit von Körperdarstellungen, transmedialen Genrebezügen zwischen Apocalypse, Science Fiction, Superhero Comic, Utopie und Dystopie, sowie aus deren historischer Entwicklung in der Tradition der Comicliteratur und dem utopischen Roman.

Moderation: Laura Oehme (Universität Bayreuth)

Zum Tagungsbericht von Laura Oehme:
http://www.comicgesellschaft.de/2015/11/12/tagungsbericht-panel-utopien-des-comics-der-ag-comicforschung/

http://medienwissenschaft.uni-bayreuth.de/gfm2015/


Jeanne Cortiel (Universität Bayreuth)
„Apokalypse als Utopie: Robert Kirkmans The Walking Dead

In der gegenwärtigen Diskussion wird – wie auch im CFP für diese Tagung – angesichts eskalierender Zukunftsängste die Dominanz dystopischer Visionen im zeitgenössischen antizipatorischen Erzählen konstatiert. Diese Einschätzung stimmt auch mit der soziologischen Analyse der Gegenwart als “reflexive Moderne” (Anthony Giddens) und “Weltrisikogesellschaft” (Ulrich Beck) überein, in der die Kontinenz von Zukunftserwartungen nicht mehr von göttlicher Vorsehung bestimmt oder durch Risikokalkulationen zähmbar ist. Utopien haben angesichts der sich klar abzeichnenden Klimakatastrophe offenbar keinen Raum mehr in Zukunftsvisionen; stattdessen führen uns Disasternarrative in Fiktion und Wissenschaft den Untergang in allen denkbaren Variationen immer wieder neu vor Augen. Bei dem Fokus auf Utopie und Dystopie – beides in der Frühmoderne verwurzelte Formen alternative Welten zu imaginieren – kommt allerdings die anhaltende Produktivität der Apocalypse als spezifisch vormodernes literarisches Genre – das immer auch eine positive Vision einer gänzlich anderen Welt enthält – meist völlig aus dem Blick. Dieser Vortrag wendet sich Robert Kirkmans Comicserie The Walking Dead zu, die das Genre der Zombie-Apokalypse nutzt, um sich – so mein Argument – auf utopische Ideen aus dem 19. Jahrhundert zurück zu beziehen. Dieser Bezug zeigt sich sowohl in der visuellen Darstellung von Raum und dessen utopischer Markierung als auch in der Entwicklung der Vater-Sohn Beziehung und deren stabilisierende Funktion für die Gemeinschaft. Dass die positive Vision immer wieder an physische Grenzen stößt und der serielle narrative Rhythmus die Apokalypse konterkariert hebt deren Ambivalenz hervor, ohne die Möglichkeit der Utopie ganz zu negieren. Der Vortrag ist Teil eines größeren Forschungsprojektes zu Risikotechnologien in der Speculative Fiction (in Literatur, Film, und Comic).


Stephan Packard (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg)
„Unzuverlässiger Cartoon und posthumanistische Utopie. Zu transmedialen Irritationen in Superior Iron Man

Das Bündel posthumanistischer Utopien, die Körpermodifikationen und -ersetzungen betreffen, kann mit der körperbildorientierten Erzählweise von Comics in besonderer Weise interagieren. So war der ursprüngliche Entwurf von Iron Man eine Variante des Cyborg-Motivs, während die häufig von Widersachern eingesetzte extremis-Technologie Imaginationen zu biologischem Engineering erforscht.

Die 2014 begonnene Marvel-Reihe Superior Iron Man kehrt zu diesen Themen der Serie zurück und verwendet sie zu einem inhaltlichen und formalen Spiel mit den Konventionen der Comic-Erzählung: In ihren Bildern ist jeder Körper und Cartoon suspekt. Was Cyborg, was mutiertes Gewebe, was Hologramm und was Maske ist, ändert sich von Seite zu Seite. Der Zweifel am dargestellten Körper greift dabei tief in die Routinen der Comiclektüre ein. Hatte sich das Vorbild der inzwischen abgeschlossenen Reihe Superior Spider-Man immer wieder Formen des unzuverlässigen Erzählers bedient, ist es nun die Erzählform des unzuverlässigen Cartoons, dessen routinierte Interpretation die Leserschaft gezielt täuschen kann.

Der Beitrag wird die Verschränkung thematischer und formaler Körperreimaginationen betrachten und insbesondere darauf eingehen, inwiefern eine Historisierung transmedialer Beziehungen die Verfahren des unzuverlässigen Erzählens transparent machen kann.


Véronique Sina (Ruhr-Universität Bochum)
„Gebrochene Helden. Entwürfe von Männlichkeit(en) in Enki Bilals dystopischer Comicwelt“

Paris im Jahr 2023 – Dies ist der Schauplatz von La Foire aux Immortels, dem ersten Teil der von Enki Bilal kreierten dystopischen Comicreihe La Trilogie Nikopol (1980-1992). Als „düstere Zukunftsprojektion einer spätkapitalistischen Gesellschaft, in der sich der Verlust der politischen Ideale im kalten Neon-Look der 1980er Jahre spiegelt“ (Knigge 2004, 225), präsentiert die bande dessinée ihren Rezipient_innen eine durch Fragmentierung und Kontingenz geprägte hypermediale Comicwelt, welche sich aus einer heterogenen Mischung unterschiedlicher Zeichensysteme und intermedialer Verweise speist.

Die ‚Brüchigkeit’ des Gezeigten (bzw. Erzählten) beschränkt sich jedoch nicht nur auf Bilals ‚grafische Poesie’. Genau wie die sie umgebende Welt sind auch Bilals Comicfiguren sowie die von ihnen verkörperten Entwürfe von Geschlecht durch einen gewissen Grad der Kontingenz und Unbeständigkeit gekennzeichnet. Im Fokus des Vortrags wird mit Alcide Nikopol – dem Protagonisten und Namensgeber der dystopischen Comicreihe – ein gebrochener Held stehen, welcher im Verlauf der Erzählung zunehmend an Souveränität verliert und sich in einem anhaltenden Prozess des Werdens – oder besser gesagt der kontinuierlichen Identitäts(re)konstruktion befindet. Als Cyborg-Figur stellt Nikopol zudem eine uneindeutige Kreatur dar, die gängige Konventionen sowie Kategorisierungen durchbricht und die mit ihnen verbundenen Vorstellungen von Identität und (Geschlechts)körper nicht nur als soziokulturelle Konstrukte entlarvt, sondern gleichzeitig auch für eine stetige Verhandlung öffnet.

AG-Treffen und Panel auf der GfM-Jahrestagung 2015

Im Rahmen der diesjährigen Jahrestagung der Gesellschaft für Medienwissenschaft ist die AG Comicforschung mit zwei Terminen vertreten.

Am Samstag, den 03. Oktober 2015 findet von 11.15h-12.45h unser AG-Panel mit dem Titel „Utopien des Comics“ statt. Im Rahmen des Panels sind insgesamt drei Beiträge vorgesehen: Jeanne Cortiel (Bayreuth) wird einen Vortrag zur Apokalypse als Utopie in Robert Kirkmans The Walking Dead halten. Stephan Packard (Freiburg) wird über posthumanistische Utopie sowie transmediale Irritationen in Superior Iron Man sprechen und in dem Beitrag von Véronique Sina (Bochum) wird es um Entwürfe von Männlichkeit(en) in Enki Bilals dystopischer Comicwelt gehen. Moderiert wird das AG-Panel von Hans-Joachim Backe (Kopenhagen).

Vor unserem AG-Panel ist zudem ein AG-Treffen vorgesehen, welches (ebenfalls am Samstag, den 03. Oktober 2015) von 9h-11h stattfinden wird.

Alle Interessierten sind herzlich dazu eingeladen, an dem Panel sowie Treffen der AG Comicforschung teilzunehmen!

Weitere Informationen zur GfM-Jahrestagung 2015 (Anmeldung, Anreise, Unterbringung etc.) online unter http://medienwissenschaft.uni-bayreuth.de/gfm2015/.

Bericht zum 2. AG-Workshop „Mediality and Materiality of Contemporary Comics“ in der ZfM

2WS

Für die Zeitschrift für Medienwissenschaft (ZfM) haben Christian Bachmann und Stephan Packard einen Bericht zum zweiten Workshop der AG Comicforschung verfasst, welcher unter dem Titel „Mediality and Materiality of Contemporary Comics“ vom 24. bis 26. April 2015 an der Universität Tübingen stattgefunden hat.

Zum Workshop-Bericht auf zfmedienwissenschaft.de

2. AG-Workshop „Mediality and Materiality of Contemporary Comics“

2WS

24.-26. April 2015, Eberhard Karls Universität Tübingen

Die AG bedankt sich bei Jan-Noël Thon und Lukas Wilde für die Organisation der gelungenen Veranstaltung sowie bei allen Referent_innen und Teilnehmer_innen für zahlreiche interessante Beiträge und lebhafte Diskussionen! Weiterlesen 2. AG-Workshop „Mediality and Materiality of Contemporary Comics“

2. Workshop der AG Comicforschung im April 2015

Mediality and Materiality of Contemporary Comics

Zweiter Workshop der AG Comicforschung
der Gesellschaft für Medienwissenschaft (GfM)
24.-26. April 2015, Eberhard Karls Universität Tübingen

Unter dem Titel „Mediality and Materiality of Contemporary Comics“ findet an der Eberhard Karls Universität Tübingen vom 24. bis 26. April 2015 der zweite Workshop der AG Comicforschung statt.

Zum Workshop-Programm Programm_The Mediality and Materiality of Contemporary Comics_Workshop 2015_AG Comicforschung (PDF)

Der Workshop wird in Raum 027 des Neuphilologicum (Wilhelmstrasse 50, 72074 Tübingen) stattfinden.

NÄCHSTES AG-TREFFEN
Im Anschluss an den Tübinger Workshop findet das nächste Treffen der AG Comicforschung statt:

26. April 2016 // 14.30h-16h
Eberhard Karls Universität Tübingen
Raum 027 des Neuphilologicum
Wilhelmstrasse 50, 72074 Tübingen

Alle Interessierten sind herzlich dazu eingeladen, an dem AG-Treffen teilzunehmen!

Call for Papers: 2. Workshop der AG Comicforschung

Mediality and Materiality of Contemporary Comics

Workshop of the Comics Studies Working Group in the German Society of Media Studies at the Graduate Academy of the University of Tuebingen, Germany

April 24 to April 26, 2015

The Workshop „Mediality and Materiality of Contemporary Comics“ examines the relation between the mediality and the materiality of comics, particularly focusing on how this relation has changed in the context of digitalization and an increasingly convergent media culture. To this end, we warmly invite proposals for 20-minute papers to be presented alongside a number of more extensive keynote addresses. MA and PhD students working in the field of comics studies are explicitly encouraged to apply.

*Possible topics* for 20-minute papers include (but are not limited to):

– Examinations of the mediality of digital as well as printed comics
– Discussions of the materiality of printed as well as digital comics
– Reconstructions of the changing face of comics authorship in the context of digitalization
– Investigations into new and emerging forms of seriality in the context of digitalization
– Analyses that focus on inter- or transmedial aspects in the context of media convergence

*Confirmed keynote speakers:*
Daniel Merlin Goodbrey (Hertfordshire)
Ian Hague (Comics Forum)
Karin Kukkonen (Turku)
Véronique Sina (Bochum)
Daniel Stein (Siegen)

Please send an abstract of 200 words and a 100-word bio via email (as a PDF or Word-Document) to
contemporarycomics@graduiertenakademie.uni-tuebingen.de no later than March 15, 2015.

Download CfP: CFP_Mediality and Materiality of Contemporary Comics (PDF)